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Steiniger Weg ins Trainingslager

Vom 06.02.-14.02. fand ein Trainingslager für die Erwachsenenkader des Deutschen Schachbundes statt. Für alle, die nicht den gesamten Zeitraum einrichten konnten, gab es die Möglichkeit später an- oder früher abzureisen. Ich habe mir jedoch die neun Tage frei genommen und wollte mich in der Nacht zum 06.02. aus Baku auf den Weg nach Berlin machen, von wo es weiter nach Kienbaum gehen sollte. Leider wurde mein Flug kurzfristig aufgrund ungünstiger Wetterbedingungen gestrichen und ich musste umbuchen. Die Möglichkeiten waren begrenzt, so plante ich drei Tage später anzureisen, sodass ich zumindest noch vier bis fünf Tage des Trainingslagers vor Ort genießen konnte. Die ersten zwei Tage nahm ich online teil, ein tolles Angebot für alle, die zeitlich keine Reise nach Kienbaum einrichten konnten, aber trotzdem an einzelnen Trainings teilnehmen wollten. Nachdem auch mein Alternativflug in der Nacht zum 09.02. gestrichen wurde, verlor ich langsam die Hoffnung. Allerdings entschied ich noch einen weiteren Versuch zu wagen und betrat fünf Stunden später tatsächlich ein Flugzeug. Die Reise war lang und anstrengend, aber am Donnerstag Abend kam ich endlich in Kienbaum an.


Auf unserem täglichen Spaziergang

Der Olympiastützpunkt bietet ideale Bedingungen zur Wettkampfvorbereitung, es gibt eine Menge Seminarräume, viele Sporthallen und fantastisches Essen. Neben uns waren auch beispielsweise einige Leichtathleten vor Ort, darunter Diskus-Olympiasieger Christoph Harting.

Sogar im Bad war der Olympiadstützpunkt vollkommen auf die Schachspieler eingestellt :)

Am ersten Abend ging ich natürlich erschöpft früh schlafen, sodass ich für die nächsten vier Tage Training fit sein würde. Unser Tagesablauf sah so aus: 08:00 Uhr - 08:45 Uhr Frühstück 09:00 Uhr - 12:00 Uhr 1.Trainingseinheit 12:00 Uhr - 12:30 Uhr Spaziergang 13:00 Uhr - 13:45 Uhr Mittagessen 14:15 Uhr - 17:00 Uhr 2. Trainingseinheit 17:30 Uhr - 18:30 Uhr Sport (gemeinsam mit den Männern) 19:00 Uhr - 19:45 Uhr Abendessen Anschließend haben wir meistens den Abend mit dem Spiel Avalon verbracht. Natürlich haben wir auch kleine Pausen während der Trainingseinheiten eingelegt und der Plan wurde nicht immer auf die Minute genau eingehalten, aber so war der grobe Ablauf. Thema des Lehrgangs waren Stellungen mit ungleichem Material, insbesondere Turm gegen eine oder zwei Leichtfiguren.

Matanovic-Kortschnoj

Ein Beispiel ist diese Kortschnoj-Partie. Schwarz war am Zug und hat hier das tolle Qualitätsopfer 1...Tc3! gefunden. Es folgte 2.Sxc3 dxc3 3. Td1 Sxf4 Und Schwarz hat sehr gute Kompensation für die Qualität. Für alle interessierten empfehle ich auf jeden Fall die ganze Partie anzuschauen, es folgten noch einige tolle Ideen, aber das würde hier den Rahmen sprengen.

Wir beleuchteten unser Thema von allen Seiten, wann ist der Turm besser als eine Leichtfigur, wann schlechter. Wann ist er vielleicht sogar besser als zwei Leichtfiguren. Es ging darum, Regeln zu erarbeiten, die uns bei der Orientierung in solchen Stellungen helfen können.

Damit wir auch verstehen, wie wichtig dieses Thema ist, spielte Dinara beim Frauen Grand-Prix in München eine thematisch passende Partie, die ich auf meinem Youtubekanal analysiere:


Wir suchen den Gewinn für Weiß

Eine Trainingsmethode, die ich vorher noch nie ausprobiert habe, waren Beratungspartien. Wir spielten in Teams von zwei Spielerinnen eine von Yuri Yakovich ausgewählte Stellung aus. Dabei durften wir gemeinsam analysieren und einen Zug wählen. Dabei entstanden sehr hochwertige Partien, die oft erst in Zeitnot entschieden wurden. So konnten wir unser Verständnis dieser Stellungstypen noch einmal vertiefen und ich kann jedem, der die Chance hat diese Trainingsmethode auszuprobieren, das nur empfehlen.

Auf dem Sportprogramm standen nach meiner Ankunft Basketball, Fußball und Tischtennis. Hier kam es uns wirklich zugute, dass die Männer parallel ihren Lehrgang hatten, sodass wir genug Leute für Mannschaftssportarten zusammen bekommen konnten.

Insgesamt war das Trainingslager sehr intensiv, hat aber auch viel Spaß gemacht. Der Lehrgang war ein guter Start für meine Vorbereitung auf die Frauen-EM, bis zu der ich noch genau vier Wochen Zeit habe. Für dieses Jahr habe ich mir ein intensives Programm vorgenommen, das viel Rechentraining und die Wiederholung meines Repertoires beinhaltet. Zudem plane ich regelmäßig Sport zu treiben, da das gut für den Körper und den Geist ist. Ich habe mir eine kleine Fitnesschallenge vorgenommen, da solche Dinge mein Selbstbewusstsein steigern und mich motivieren meinen Plan durchzuziehen. Für die erste Woche habe ich mindestens eine Stunde Rechentraining am Tag geplant, dafür werde ich Ressourcen wie Chesstempo, Lichess oder Studien, die ich von meinem Trainer bekommen habe, nutzen. Zudem möchte ich mich mindestens zwei Stunden am Tag mit meinem Repertoire auseinandersetzen, für die erste Woche habe ich die Wiederholung meines Schwarzrepertoires gegen 1.e4 geplant. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass ich mein Training nicht aussetzen möchte, wenn ich mal nicht gut geschlafen habe, denn beim Turnier muss ich die Partie ja trotzdem spielen. Momentan fällt es mir etwas schwer meine anderen Verpflichtungen zeitlich gut einzuschätzen, daher ist dieser Plan noch recht grob. Ich hoffe aber, dass ich nach der ersten Woche ein besseres Gefühl dafür habe, wie viel Zeit ich in der Woche auf Training verwenden und was ich in der Zeit schaffen kann. Schaut also gerne nächste Woche Mittwoch wieder vorbei, wenn ihr wissen wollt, wie die erste Trainingswoche lief und was für die zweite geplant ist. Dann gibt es auch wieder etwas mehr Schach :-)

Bis dahin, Josefine

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