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Schwarzer Dezember?

Der Dezember ist bei mir traditionell sehr schachreich und so sollte es auch dieses Jahr sein. Am 08.12. machte ich mich auf den Weg aus Baku nach Baden-Baden, um dort am Wochenende Frauenbundesliga für die OSG Baden-Baden zu spielen. Der Bahnstreik sorgte dafür, dass die Reise von Frankfurt nach Baden-Baden ähnlich lange dauerte, wie der Flug von Baku nach Frankfurt. Dennoch kam ich am frühen Nachmittag an und konnte noch etwas entspannen, bevor es am Samstag zu unserem wichtigen Kampf gegen SC Bad Königshofen ging.

Ich spielte mit Schwarz gegen Mariia Manko und in der katalanischen Eröffnung wurde der Stellung sehr schnell kompliziert und taktisch aufgeladen. Die ganze Partie habe ich auf Youtube vorgestellt:

Nach einigen Abenteuern auf den anderen Brettern konnten wir den Kampf mit 3,5:2,5 gewinnen und damit eines der stärksten Teams der Liga besiegen! Doch auch am Sonntagmorgen saßen uns noch einmal starke Gegnerinnen gegenüber - die Rodewischer Schachmiezen. Dieses Mal spielte ich, statt an Brett 5, an Brett 6 und hatte daher das zweite Mal Schwarz. Auch hier war das Match von Anfang an spannend, was auch daran lag, dass ich nach einem sorglosen Zug in der Eröffnung schnell schlecht stand. Nach mehr als 5-stündigem Kampf gelang es mir jedoch die Partie zu drehen und sogar noch zu gewinnen. Damit gewann auch das Team 3,5:2,5!

Nach vier Spieltagen stehen wir weiterhin mit vier Siegen in der Spitzengruppe. Der nächste Spieltag findet am 20./21.01. gegen TuRa Harksheide und den SK Doppelbauer Kiel statt. Nachdem die letzte Partie beendet war, fuhren wir mit Schiedsrichterin Sandra Schmidt nach Rosenheim, wo bereits am nächsten Tag das German Masters starten sollte. Noch am selben Abend fand die Eröffnungsfeier mit der Auslosung der Startnummern statt. Ich zog die Nummer 6 - das bedeutete fünf Mal Schwarz und vier Mal Weiß. Die erste Schwarzpartie gegen Sarah Papp verlief sehr zufriedenstellend. Ich hatte aus der Eröffnung keine Probleme und die Partie war die ganze Zeit ausgeglichen, bis wir im Turmendspiel die Stellung wiederholten. In Runde 2 spielte ich gegen Lara Schulze und konnte meine speziell für das Turnier vorbereitete Überraschungswaffe zeigen - die englische Eröffnung. Tatsächlich habe ich bereits Anfang September angefangen, mich damit zu beschäftigen. Zunächst nutzte ich dazu das neue Buch von Nikolaos Ntirlis "Playing the English"*. Er zeigt nicht nur Theorievarianten, sondern auch Beispielpartien und sogar typische Endspiele! Nachdem ich das Buch durchgearbeitet hatte, spielte ich viele Blitzpartien, um die Varianten zu üben und mich an die Stellungsbilder zu gewöhnen. In der Partie lief auch alles bestens und ich erreichte direkt aus der Eröffnung eine nahezu gewonnene Stellung. Kurz bevor der schwarze König Matt wurde, erlaubte ich meine Gegnerin aber eine unglaubliche Chance:


Diagramm 1: Stellung nach 22...fxe5

Hier gewinnt nahezu jeder Zug für Weiß, am logischsten sind aber wohl 23. f6 und 23. Tg4. Ich wählte allerdings 23. Th4, mit der Idee Schwarz zu ...h6 zu provozieren und dann 24. Tg4 zu spielen, weil das Feld g6 zusätzlich geschwächt wurde. Lara spielte jedoch 23... Lxf5 und ich durfte nicht wiederschlagen, weil mein Turm dann verloren ginge! Leider ist der Bauer auf f5 absolut essentiell für den Angriff und so endete die Partie bald Remis durch Dauerschach(zum Glück reichte meine Initiative noch dafür aus). Ein sehr unnötiges Ende einer einseitigen Partie und ein verschenkter halber Punkt. Ich tröstete mich jedoch damit, dass noch sieben Runden zu spielen waren und begann noch am Abend die Vorbereitung mit Schwarz gegen Hanna Marie.

Diese überraschte mich am Brett mit Schottisch, wählte jedoch eine Variante, die forciert Remis endet, wenn Schwarz sich auskennt und so teilten wir schnell den Punkt. In Runde 4 spielte ich gegen Zoya Schleining und erwischte wirklich keinen guten Tag. Ich entschied mich für 1.e4, weil Zoya selbst gerne geschlossene Eröffnungen spielt. Allerdings holte ich absolut gar nichts aus der Eröffnung und spielte danach auch keine gute Partie, sodass ich recht chancenlos verlor.

In Runde 5 ging es dann gegen Melanie Lubbe. Sie hatte zu diesem Zeitpunkt 0/4, daher machte ich mir Hoffnungen, dass es auch mit Schwarz gute Chancen geben wird. Tatsächlich hätte ich die Partie bereits in der Eröffnung gewinnen können:


Diagramm 2: Stellung nach 12.f3

Hier gewänne: 12...0-0-0 mit der Idee ...d4, da nach 13. Lxc6 d4 folgt und Weiß eine Figur verliert. Leider verpasste ich diese Möglichkeit und hatte noch viele weitere anstrengende Stunden vor mir. Am Ende konnte ich die Partie aber gewinnen und zurück zu 50% kommen. Der schlechte Nachricht zu diesem Zeitpunkt war - am nächsten Tag sollte ich wieder Schwarz haben, dieses Mal gegen Dinara(in den letzten 20 Monaten haben wir 5 Partien gespielt und ich hatte 4(!) Mal Schwarz). Im Gegensatz zu den letzten Partien, verlief die Partie aber ganz anders. Sie überraschte mich mal wieder in der Eröffnung, dennoch konnte ich schnell eine bessere Stellung erreichen. Allerdings blieb es kompliziert und der weiße Königsangriff schien mir so gefährlich, dass ich einer Stellungswiederholung zustimmte und die Partie endete Remis.

Die Ausgangslage drei Runden vor Schluss war ganz gut - nach langsamem Start hatte ich 50% auf dem Konto, mein Doppelschwarz geschafft und spielte in den letzten drei Runden zweimal mit Weiß und mit Schwarz gegen die Setzlistenletzte Luisa (natürlich war klar, auch das würde nicht einfach werden). In Runde 7 packte ich gegen Fiona Sieber wieder Englisch aus und konnte bereits in der Eröffnung eine Leichtfigur gewinnen, sodass ich diese nur noch verwerten musste. Das gelang mir problemlos. In Runde 8 gegen Luisa spielte ich Nimzoindisch und wir bekamen schnell eine Bauernstruktur, die an Benoni erinnert. Nach einigen ungenauen Berechnungen wurde meine Stellung gefährlich, allerdings spielte auch Luisa nicht optimal und so konnte ich bald einen Bauern und damit auch die Partie gewinnen. In der letzten Runde gegen Jana Schneider ging es noch um einen Platz unter den ersten 3. Jana hatte bereits 6 Punkte auf dem Konto, mit einem Sieg würde ich aber gleichziehen und sie aufgrund der Zweitwertung(direkter Vergleich) überholen. Leider lief die Partie ganz anders als erwünscht:

Am Ende des Turniers schwinden bei allen die Kräfte, aber Jana hatte in dieser Partie einfach den besseren Überblick und konnte sich durch den Sieg sogar noch auf Rang 2 vorschieben, während ich am Ende 5. wurde.


Insgesamt kein tolles Turnier, und vor allem der Verlust in der letzten Runde hinterlässt einen unschönes Gefühl. Dennoch hätte ich wohl gut einen halben Punkt mehr machen können und +1 in diesem Feld ist auch keine Katastrophe. Ich konnte eine neue Eröffnung spielen und spielte auch sonst viele interessante Partien. Ich sehe woran ich arbeiten sollte, gönne mir jetzt aber erst eine kleine Weihnachtspause, denn ab 26.12. geht es für mich schon weiter beim Zürcher Weihnachtsopen.


Ich wünsche euch frohe Weihnachten! Josefine


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