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Kortschnoj Memorial - zwischen Youngstern und Großmeistern

Vom 06.-14.06. spielte ich in Günzburg das Kortschnoj Memorial. Artur und Nadja Jussupow organisierten dieses Turnier in Andenken an den großen Kämpfer Viktor Kortschnoj und luden eine gute Mischung aus erfahrenen Großmeistern und talentierten Nachwuchsspielern (und mich :D) ein. Ich war die Spielerin mit der deutlich geringsten Elozahl, daher war klar, das Turnier würde hart werden, aber natürlich war das auch eine willkommene Herausforderung für mich. In Runde 1 spielte ich gegen den jungen deutschen FM Tobias Kölle. Er überraschte mich in der Eröffnung mit 1. d4 Sf6 2.c4 e6 3.Lf4, zunächst konnte ich aber eine ausgeglichene Stellung erreichen. Nach einigen Ungenauigkeiten verlor ich aber einen Bauern und meine Stellung wurde schnell hoffnungslos. In Diagramm 1 musste Tobias dennoch genau spielen:

Diagramm 1: Stellung nach 30...Tb2

Hier darf Weiß nicht zu gierig sein und 31.Dxa7? spielen, da nach 31...Dxa7 32. Sxa7 Ta2 33. Sc6 Tb2 34. Sd4 Se6 ein Turmendspiel entsteht, das Schwarz ohne größere Probleme Remis halten kann. Tobias fand aber den Zug 31. Db8 und nun nach 31...a6 folgte 32. Se7+ Kg7 33. De5+ und mein König war nur noch durch weitere Materialeinbußen zu verteidigen. Dem hatte ich nichts entgegenzusetzen.

Im Anschluss an die erste Runde hielt Dr. Gerhard Köhler einen Vortrag über Viktor Kortschnoj, wie er ihn kannte. Danach gingen alle Teilnehmer zusammen mit Sponsoren und Organisatoren essen.

Gruppenfoto zu Turnierbeginn, nach Dr. Köhlers Vortrag

Am nächsten Tag spielte ich gegen den jungen IM Fabian Bänziger aus der Schweiz. Er neutralisierte meine Alapineröffnung jedoch problemlos und die Partie endete recht ereignislos Remis. Ich war froh zumindest einen halben Punkt geholt zu haben und optimistisch, dass ich nun im Turnier angekommen war. Allerdings ereilte mich am dritten Tag direkt der nächste Rückschlag. Gegen FM Moritz Weishäutel kam ich nicht besonders gut aus der Eröffnung, allerdings spielte er auch nicht perfekt und ließ mich in ein Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern entkommen. Dann unterlief mir aber ein schrecklicher Fehler:

Diagramm 2: Stellung nach 50.Kh5

Hier würde 50...Le3 recht leicht Remis halten, denn nach 51. a7 Lxa7 52. Kh6 Kf7 kann der schwarze König jederzeit den e6-Bauern abgeben um in die Ecke zu laufen. Der Läufer kann gegen den b-Bauern geopfert werden, da der weiße h-Bauer in der falschen Ecke für den Läufer steht.

Stattdessen spielte ich 50...Kg7, weil ich der Meinung war, dass die Stellung ohne den e-Bauern auch Remis ist, was sich jedoch als falsch herausstellte... Es folgte 51. Lxe6 h6 52.Lc4 Lg1 53. Kg4 Kf6 54. Kf4 Lf2 55. Ke4 und Weiß erzwang einige Züge später diese Stellung:

Diagramm 3: Stellung nach 48...Kf8

Nun kann Weiß mit 59. b6 Lxb6 60. Kxh6 gewinnen, da der schwarze König nicht in die Ecke kommt und somit der h-Bauer durchläuft, weil der Läufer mit dem b-Bauern beschäftigt ist. Genau so kam es auch und ich sah mich gezwungen aufzugeben. Ein herber Rückschlag und mit 0,5/3 auch ein sehr schwacher Start bei einem Turnier, bei dem es keine leichten Gegner gibt. In Runde vier bekam ich es dann auch mit dem ersten GM zu tun - Anatoly Vaisser. Diese Partie habe ich bei Youtube analyisiert:



Mit diesem Sieg fand ich also endgültig ins Turnier. In Runde fünf stand auch schon der nächste Großmeister auf dem Plan - Michal Krasenkow. Ich hatte in der Vorbereitung etwas verwechselt und geriet in ein etwas unangenehmes Endspiel. Mit guter Verteidigung erreichte ich folgende Stellung:

Diagramm 4: Stellung nach 33.hxg3

Weiß droht b5 und kann natürlich auch immer auf a7 schlagen, daher sollte Schwarz hier vorischtig agieren und genau rechnen. Ich spielte 33...e5 34. b5 exf4 35. Txc6+ Kd7 36. gxf4 Txf4+ 37. Kb3 Te4 und nun kann Weiß nicht den a7-Bauer abholen, da der schwarze König nach b6 läuft und dann b5 schlägt. Diese Stellung ist daher völlig Remis und die Partie wurde in wenigen Zügen beendet. Am darauffolgenden Tag spielte ich gegen FM Noah Fecker aus der Schweiz und konnte ihn mit einer guten Idee in der Caro-Kann Verteidigung unter Druck setzen, allerdings gelang es ihm, die richtige Verteidigung zu finden und die Partie endete friedlich. Auch in Runde sieben saß mir ein Schweizer gegenüber - IM Gabriel Gähwiler. Er schaffte es nicht irgendwelche Vorteile herauszuspielen und auch diese Partie endete friedlich. In den letzten zwei Runden musste ich gegen die zwei übrigen Großmeister spielen. Zunächst mit Weiß gegen GM Stelios Halkias aus Griechenland. Er behandelte meine spanische Eröffnung etwas ungewöhnlich, erhielt jedoch genau das, was er wollte - eine spielbare untypische Stellung.

Diagramm 5: Stellung nach 29...c5

In Diagramm 5 entglitt mir die Stellung ein wenig. Ich sollte hier 30. Dxc4 dxc4 31. a5 spielen und versuchen meinen Turm über a4 zu aktivieren. Stattdessen spielte ich 30. Dd1 Tad8 31. a5 Db5 32. Te2 c4 und ich verlor bald die Partie, weil der Turm auf a3 nicht mitspielt. Man sagt nicht umsonst: "Steht eine Figur schlecht, ist die ganze Stellung schlecht."






Diagramm 6: Stellung nach 26.g4

In der letzten Runde ging es dann mit Schwarz gegen den ehemaligen Nationalspieler GM Igor Khenkin. Er überraschte mich in der Eröffnung und ich geriet in eine unangenehme Stellung. Er spielte jedoch einige ungenaue Züge und hier konnte ich die Stellung mit 26... f6 27. f4 Tc7 28. Tc2 Txc2 29. Dxc2 fxe5 30. fxe5 Dg5 verkomplizieren und in gegenseitiger Zeitnot endete die Partie bald Remis. Somit standen am Ende 3,5 Punkte und ein kleines Eloplus auf meinem Konto.


Mir gelang leider keine Norm, allerdings zwei anderen: Tobias Kölle und Moritz Weishäutel erzielten mit einem Remis in der letzten Runde eine IM-Norm.

Turniersieger Michal Krasenkow mit dem Viktor, bereitgestellt von der Emanuel Lasker Gesellschaft

Turniersieger wurde Michal Krasenkow, mit einem Punkt Vorsprung auf das Feld und das nachdem ihm in Runde zwei ein kleines Missgeschick passierte:

Diagramm 7: Stellung nach 9. Dxh6

Er spielte hier mit Schwarz 9...Sxd4 und gab nach 10. 0-0-0 ohne zu zögern auf. Eine gute Erinnerung an alle, dass auch die besten Fehler machen und dass eine schlechte Partie nicht das Turnier entscheidet :-).

Nach der Siegerehrung aßen wir noch alle gemeinsam und diejenigen, die Viktor Kortschnoj persönlich kannten erzählten einige Geschichten. Ich bin sehr dankbar für die Einladung zu diesem Turnier und natürlich möchte ich auch den Sponsoren - der Emanuel Lasker Gesellschaft und der Schachstiftung GK gGmbH danken, ohne die dieses Turnier nicht möglich gewesen wäre.


Als nächstes steht für mich ab 24.06. das Open der Sparkassen Chess Trophy in Dortmund auf dem Plan. Bis dahin werde ich meine Partien sorgfältig analyiseren und mich etwas ausruhen und Kraft tanken, damit ich bei dem Turnier in guter Verfassung bin.


Bis dahin, Josefine

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