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Kortschnoj Memorial

Vom 02.03.-08.03. fand in Weißenhorn ein Turnier anlässlich des internationalen Weltfrauentags statt. Dieses ist inzwischen Tradition und wird jedes Jahr von der Schachschule Jussupow organisiert. Im Rahmen des Frauenturniers gab es dieses Jahr auch ein GM-Turnier, in dem einige Schüler und Bekannte von Artur Jussupow sich gegen 4 Großmeister beweisen konnten. Ich habe mich natürlich sehr über die Einladung gefreut und nach einer längere Schachpause auch besonders darauf, wieder am Brett zu sitzen.

In Runde 1 spielte ich direkt gegen einen richtig harten Brocken - den 15-jährigen Lukas Dotzer aus Österreich, der bereits eine Elo von ca. 2500 aufwies. Allerdings spielte er nur kurze Zeit vorher in Graz sehr wenig erfolgreich, sodass ich optimistisch war, dass ich ihn mit Weiß unter Druck setzen kann. Das gelang mir auch und aus der Eröffnung erreichte ich eine sehr gute Angriffsstellung:

Stellung nach 15...Lc6
Stellung nach 15...Lc6

In dieser Stellung spielte ich 16.Sd5+!, nun scheitert 16...exd5 17.exd5 Lb5 and 18. Ta3 Db6 19. Tc3+ und Schwarz muss entweder den Läufer zurückgeben oder verliert die Dame.

Deswegen entschied sich mein Gegner sofort für 16...Lxd5 17. exd5 e5, aber auch hier steht der König nach 18. Da7 Ta8 19. Df2 einfach zu schlecht. Obwohl ich noch circa 40 Züge brauchte, um die Partie zu gewinnen, ließ ich nie etwas anbrennen.

Eine detaillierte Analyse gibt es auch auf meinem Youtubekanal:


Am nächsten Tag stand eine Doppelrunde an und ich spielte morgens gegen Alfred Nemitz, der vermeintlich zu den eher "schwächeren" Spielern gehört. Es gab drei große kritische Momente in der Partie:



Die Eröffnung lief nicht allzu gut für mich und so landete ich(mit Schwarz) im linken Diagramm. Wenn Weiß hier 25. Ld6 spielt und dann mit 26.c5 und einem Angriff am Königsflügel fortsetzt, ist die Stellung sehr unangenehm für Schwarz, weil man keinerlei Gegenspiel hat. Zu meinem Glück folgte ein grober strategischer Fehler von Weiß: 25. c5? a5 und Schwarz hat keine Probleme mehr. Mein Gegner versuchte weiter gegen meinen König zu spielen, half mir so aber mehr, meine Figuren zu aktivieren, sodass wir im Endspiel in Diagramm 2 landeten.

An dieser Stelle stehe ich auf Gewinn, allerdings gibt es überraschenderweise nur einen Zug, der den Vorteil nach Hause bringt. Da der Läufer hängt, muss er natürlich ziehen und das richtige Feld ist b4! Nach 59...Lb4 droht Schwarz mit 60...Td1+ den weißen Läufer zu gewinnen und falls 60. Lxf4 folgt, kann man 60...Tc8 spielen und wird langfristig beide weiße Bauern abholen.

Ich spielte allerdings 59...Td1+ und nach 60. Te1 kam direkt der nächste kritische Moment, in dem es Zeit gewesen wäre zu akzeptieren, dass ich nicht mehr gewinnen kann. Mit 60... Txe1+ 61. Kxe1 Lb6 62. Lxf4 Kxf7 63. c7 Lxc7 64. Lxc7 a4 konnte man das Remis forcieren. Ich konnte mich mit diesem Ergebnis allerdings immer noch nicht abfinden und wählte stattdessen 60...Td6. Auch der Zug verliert nicht, aber nach 61. c7 Tc6 62. Lxf4 Kxf7 63. Td1 bereitete der c-Bauer mir große Kopfschmerzen und ich musste die Qualität abgeben. Das entstehende Endspiel war immer noch Remis, aber alles andere als einfach und unter großen Zeitdruck gelang es mir nicht, die Partie zu halten.

Am Nachmittag war ich dann froh, dass ich gegen GM Vladimir Baklan recht früh eine Stellungswiederholung aufs Brett bekam und somit ein Remis einsammeln konnte. Am nächsten Tag stand wieder eine Doppelrunde auf dem Plan, dabei ging es gegen 2 GMs - Matthieu Cornette und Michal Krasenkow.

Cornette überspielte mich in der Abtauschvariante der spanischen Partie und wich dabei auch noch meinem letzten taktischen Trick aus:

Stellung nach 37...Dd4
Stellung nach 37...Dd4

Hier steht Weiß vor der Frage, ob man 38. Dxh6 spielen kann, denn nach 38...gxh6 folgt 39. Tg8#. Mein Trick bestand daran, dass ich 38...Lxe8 einschiebe, 39. fxe8D gxh6 und plötzlich ist die Stellung wieder völlig unklar. Leider sah auch mein Gegner diese Idee und nach einigen ideenlosen Zügen, um bis zu Zug 40 zu kommen, verwertete er die Partie makellos.






Am Nachmittag hoffte ich gegen Michal Krasenkow mit Weiß mehr Chancen zu bekommen.

Nach der Eröffnung stand ich auch gut, verpasste dann aber einige gute Möglichkeiten schnell anzugreifen und geriet in eine schlechte Stellung. Allerdings spielte auch mein Gegner nicht optimal und gab mir mehrere Chancen die Partie zu retten:

Stellung nach 34...Sg4+
Stellung nach 34...Sg4+

Die erste Chance ergab sich hier. Vom Gefühl wollte ich 35. Kh3 spielen, allerdings sah ich denn 35...Dd7 mit diversen Abzugsideen. Hier lohnte es sich weiterzurechnen: 36. Lxg7 Se3+ 37. Kh2 Sxf1+ 38. Sxf1 Kxg7 39. De5+ und Weiß gewinnt sogar! Das bedeutet, dass Schwarz das Abzugsschach nicht geben darf und dann bekommt man Zeit für f5.

Stattdessen spielte ich 35. Kh1, was verliert, weil der König dauerhaft auf Grundreihenmatt steht. Allerdings bekam ich noch eine letzte Chance:




Stellung nach 36...Tb3
Stellung nach 36...Tb3

Hier konnte ich mit 37. Dc8+ Kg7 38. f5 eine Figur opfern, um Gegenspiel gegen den König zu organisieren. Es könnte 38...Txg3 39. fxg6 folgen und tatsächlich hat Schwarz keine gute Verteidigung, um die weißen Dauerschachdrohungen abzuwehren. Selbst wenn man nicht alles akkurat berechnen kann, sollte man diesen Weg wählen, da die Stellung ansonsten hoffnungslos ist. Ich entschied mich aber für 37. Dc2 und musste wenig später aufgeben, weil mein König einfach zu schwach war.


Am nächsten Tag fand nur eine Runde am Nachmittag statt, sodass ich nach dem Frühstück mit Jana Schneider einen langen Spaziergang machte, um etwas Bewegung und frische Luft zu bekommen. Das tat sehr gut und entspannte vor der Partie. Nachmittags saß mir dann Andrei Sokolov gegenüber, der allerdings in der italienischen Partie nicht viel rausholen konnte und mir früh Remis bot. Da die Stellung sehr ausgeglichen war, nahm ich an und nutzte den Abend zur Erholung vor den letzten drei Runden.

Es folgt eine unschöne Partie gegen Gabriel Gähwiler. In einem recht ausgeglichenen Endspiel, hatte ich in einem kritischen Moment Tomaten auf den Augen:

Stellung nach 28...Lc3
Stellung nach 28...Lc3

Weiß hat nun zwei Möglichkeiten das Material zu retten: 29. Tc1 mit Gegenangriff gegen den schwarzen Läufer und 29. Te2 mit Deckung des eigenen Läufers. 29. Tc1 habe ich überhaupt nicht gesehen, würde aber Remis halten. In der Partie folgte: 29. Te2 Sd4 30. Lxd4 Td1+ 31. Kf2 Lxd4+ 32. Kf3 Lg1 33. h4 T1d3+ und der König wird langsam in einem Mattnetz gefangen, sodass ich bald aufgeben musste.





Am Nachmittag spielte ich gegen IM Fabian Bänziger, der das ganze Turnier über sehr solide spielte, aber noch auf seinen ersten Sieg wartete. Den wollte er sicher mit Weiß gegen mich holen. Die Partie war jedoch lange ausgeglichen, bis sich die Lage im Endspiel etwas zuspitzte:

Stellung nach 37. Te4
Stellung nach 37. Te4

Schwarz muss nun einige genaue Züge finden, kann aber sofort Remis forcieren, wenn das gelingt. Ich startete richtig mit 37... Sc6 38. Kc3 Ld4 39. Txe6 und hier griff ich fehl. Meine eigentliche Intention und die beste Fortsetzung war: 39...Lxc3 40. Lxc6 Rd1+ 41. Kc2 Te1! Diesen Zug übersah ich in meiner Berechnung, danach muss Weiß die Türme tauschen und das Endspiel ist Remis. Stattdessen spielte ich 39...Se7, aber nach 40. La5+ Kc8 41. Txa6 ist die Stellung völlig verloren und ich streckte einige Minuten später die Waffen.



Nach diesen zwei doch eher unglücklichen Partien, wollte ich in der letzten Runde natürlich noch einmal etwas holen. Die Eröffnung lief nicht wirklich nach Plan und so war die Stellung schnell völlig ausgeglichen. Irgendwann landete ich in einem unangenehmen Schwerfigurenendspiel und hatte wieder die Qual der Wahl:

Stellung nach 64...Dc8+
Stellung nach 64...Dc8+

Weiß hat aus meiner Sicht zwei logische Züge: 65. Kh2 und 65. Kg2. Natürlich sieht 65. Kg2 naheliegender aus, doch ich rechnete 65...Da8+ 66. Dd5 Dxa3 67. Txf6 Db2+ und dachte ich lande in eine Damenendspiel mit Minusbauer, allerdings gibt es 68. Tf2 und Weiß gewinnt! Natürlich kann Schwarz den Turm auf f6 zurücknehmen, aber auch dann gibt es keinerlei Gewinnchancen für Schwarz. Stattdessen spielte ich 65. Kh2? Tf2+ 66. Kg1 und hier konnte Schwarz mit 66...Ta2 gewinnen! Denn nach 67. Td8 Dc3 68. Dd4+ Dxd4 69. Txd4 Txa3 70. Kg2 Tb3 ist das Turmendspiel verloren. Zu meinem Glück folgte stattdessen 66...Tc2 und die Partie endete nach 67. Td8 Dc3 68. Dd4+ Dxd4+ 69. Txd4 Ta2 70. Td6 Txa3 Remis.

Ein versöhnlicher Abschluss, der mir fast in der letzten Sekunde noch entglitten ist.

Nach einem wirklich guten Start, hatte ich mir natürlich mehr Punkt erhofft, als es letztendlich geworden sind, aber zumindest konnte ich in den meisten Partien sehr gut mithalten und muss offenbar hauptsächlich an meiner Ausdauer arbeiten.


Am Ende machten die Großmeister das Podium unter sich aus:

v.l.n.r. Gerhard Köhler, Michal Krasenkow(2.), Matthieu Cornette(1.), Vladimir Baklan(3.), Artur Jussupow
v.l.n.r. Gerhard Köhler, Michal Krasenkow(2.), Matthieu Cornette(1.), Vladimir Baklan(3.), Artur Jussupow

Mit 2,5/9 blieb nur der letzte Platz, aber dennoch ein kleines Eloplus. Außerdem bin ich wieder sehr motiviert für die nächsten Turniere :)

Etwas gutes gab es nach dem Turnier aber doch noch: Meine Vorbereitung gegen Krasenkow kam zwar gegen ihn nicht aufs Brett, dafür aber in der Frauenbundesliga am anschließenden Wochenende:



Bis zum nächsten Turnier habe ich noch circa 6 Wochen Zeit und kann dementsprechend die Partie nacharbeiten und weiter trainieren. Bis dahin! Josefine

 
 
 

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