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Frauenbundesligaendrunde

Vom 29.04.-01.05. fand in Bad Königshofen die zentrale Endrunde der Frauenbundesliga statt. Vor dem Wochenende stand meine Mannschaft, die OSG Baden-Baden, auf dem dritten Platz, wir hatten aber noch die direkten Duelle gegen den Tabellenersten und -zweiten vor uns, also sogar noch theoretische Chancen auf den Titel. Wir reisten mit einer starken Mannschaft an: Mariya und Anna Muzychuk, Elisabeth Pähtz, Mai Narva, Teodora Injac (die erst im letzten Monat alle Voraussetzungen für den IM-Titel erfüllte, herzlichen Glückwunsch!) und ich.

Am Samstag ging es gegen das starke Team aus Deizisau. Wir waren zwar an allen Brettern recht klare Favoritinnen, dennoch sind die Spielerinnen von Deizisau nicht zu unterschätzen. Glücklicherweise lief alles für uns und wir konnten mit 5,5:0,5 gewinnen. Nur Anna Muzychuk musste ein Remis gegen die ehemalige Nationalspielerin Zoya Schleining abgeben. Meine Partie habe ich für Youtube analysiert:

Am Sonntag stand dann das entscheidende Duell auf dem Plan. Die Mannschaft des SK Schwäbisch Hall hatte zwei Mannschaftspunkte mehr als wir, aber auch 4,5 Brettpunkte! Wenn wir noch eine Chance auf den Titel haben wollten, so mussten wir also hoch gewinnen. Ich spielte gegen die Französin Pauline Guichard und packte eine seltene Idee gegen die Berliner Mauer aus. Allerdings reagierte meine Gegnerin sehr gut und glich recht problemlos aus. Im weiteren Verlauf traf ich einige ungenaue Entscheidungen und meine Stellung wurde immer schlechter und die Zeit auf der Uhr immer weniger. Nachdem sie einen direkten taktischen Gewinn verpasste, konnte ich meine Probleme aber mehr oder weniger lösen und wir erhielten die Stellung in Diagramm 1.

Diagramm 1: Stellung nach 34.Dc7

Hier fand sie jedoch eine sehr starke Idee: 34... Sf5! 35. Dxc5 d4!, was dem Springer das Feld d4 freikämpft und die Diagonale der Dame zum b2-Bauern öffnet. Schwarz hat genug Kompensation für den Bauern, weil auch das Feld auf e3 sehr geschwächt ist und der weiße König dauerhaft Schutz braucht. Es folgte 36. cxd4 Sxd4 37. Tf2 Tc6 und hier ist es gar nicht einfach ein zufriedenstellendes Feld für die Dame zu finden. Ich wählte 38. Da7, weil es hier definitiv keine Gabeln gibt und nach 38...Tc1 übersah ich die entscheidende Drohung: Sc2!

Diagramm 2: Stellung nach 38...Tc1

Hier hätte mich 39. Da4 gerettet, stattdessen spielte ich 39. Db7 Sc2 40.Te2 und nach 40...Se1+ sah ich mich gezwungen die Qualität abzugeben, was aufgrund der geschwächten weißen Königsstellung natürlich zu einer unhaltbaren Stellung führt. Meine Gegnerin führte die Partie souverän zu Ende und ich gab mich wenige Züge später geschlagen. Im Nachhinein habe ich mich sehr geärgert, dass ich die Stellung in Zeitnot so kurz vor der Zeitkontrolle noch eingestellt habe, aber da ich hier auch immer etwas Lehrreiches für euch unterbringen will, kurz meine Ansicht zu Fehlern in Zeitnot: Es ist leicht Zeitnot als Ausrede zu verwenden, aber man sollte auch im Blick haben, warum Spieler in Zeitnot kommen. In dieser Partie lag es bei mir daran, dass ich sehr lange eine schwierige Stellung verteidigen musste und deshalb viel Zeit investiert habe. Hätte ich das nicht getan, so hätte ich die Partie vielleicht schon früher verloren. Dementsprechend war mein Einsteller in Zeitnot die direkte Folge einer für mich zu komplexen Stellung und ist irgendwie die logische Konsequenz. Leider war das die erste Partie, die ich jemals in der Frauenbundesliga für die OSG Baden-Baden verlor. Seit 2016/17 spiele ich für diese Mannschaft und konnte bisher immer überragend punkten. Aber jeder gute Lauf hat mal ein Ende und wenn die nächste Niederlage wieder sechs Jahre auf sich warten lässt, so wäre das vollkommen okay für mich :-). Leider mussten wir uns auch an Brett 5 geschlagen geben und alle anderen Spielerinnen kamen nicht über ein Remis hinaus. Somit stand fest: der SK Schwäbisch Hall ist Deutscher Meister in der Frauenbundesliga 2022/23.

Am nächsten Tag waren für auf Schützenhilfe der neuen Meisterinnen angewiesen: Wir waren große Favoriten gegen den FC Bayern München, Deizisau spielte aber gegen Schwäbisch Hall. Die Hallerinnen lösten ihre Aufgabe souverän mit 4,5:1,5, sodass uns sogar ein Unentschieden für den zweiten Tabellenplatz reichen sollte. Aber auch wir kämpften hart und konnten am Ende einen 5,5:0,5-Sieg einfahren. Hier das schöne Finale meiner Partie gegen Marianne Spiel:

Diagramm 3: Stellung nach 36...Sf4

Meine Gegnerin übersah hier meine Drohung und die Partie endete nach 37. a3 Td3#. Allerdings hatte ich auch auf 37. Td2 eine schöne Variante vorbereitet: 37...Lf2+, denn wenn der König schlägt hängt der Turm und nach 38. Txf2 ist 38... Td3# nach wie vor Matt.








Am Ende der Saison wird neben den besten Mannschaften auch noch die beste Spielerin geehrt. Dieser Preis geht an die Spielerin, die prozentual die meisten Punkte geholt hat. Ekaterina Atalik und ich holten beide 7,5/9, allerdings hatte Ekaterina deutlich stärkere Gegnerinnen, daher ging der Preis an sie. Schon wieder von Schwäbisch Hall ausgestochen... Aber Spaß beiseite, sowohl Ekaterina als auch Schwäbisch Hall haben eine sehr starke Saison gespielt und dieses Jahr konnten wir einfach nicht mithalten. Ich freue mich aber bereits auf die nächste Saison, wir werden auf jeden Fall wieder angreifen!

Danke an meine absolut wundervolle Mannschaft, es bereitet mir jedes Mal viel Freude zu spielen. Danke auch an Thilo, der immer alles fantastisch organisiert und alles tut, damit wir uns wohl fühlen und uns nur auf die Partien konzentrieren müssen.

Natürlich gilt mein Dank auch unseren Sponsoren: Grenke und Dev-Specialists, ohne die das alles gar nicht möglich wäre.


Glückwunsch natürlich auch an die Siegerinnen aus Schwäbisch Hall und die Drittplatzierten aus Bad Königshofen. Die Endrunde war sehr gut organisiert, der Spielsaal war sehr geräumig, mit gutem Licht und auch die Verpflegung während der Partien hatte sehr hohe Qualität. Ich denke, wir kommen alle gerne wieder :-). Für mich steht als nächstes das Baku Open an, morgen geht es schon los! Ich hoffe ihr drückt die Daumen und ich kann ein paar gute Partien spielen. Bis dahin, Josefine




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