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Feiertagsturniere in Zürich und Schwäbisch Gmünd

Bereits kurz nach dem German Masters standen für mich die nächsten beiden Turniere auf dem Plan - das Zürcher Weihnachtsopen und das Staufer Open. Am 26.12. ging es in Zürich los und nachdem ich in der ersten Runde wirklich keine gute Partie spielte, wurde es Schritt für Schritt besser, bis ich in Runde 4 einen starken Spieler schlagen konnte:


Am gleichen Abend stand noch das Blitzturnier an, und auch da lief es wirklich gut.


Ich holte am Ende 7/9 und spielte das ganze Turnier mit Eltaj Safarli und Iniyan Paneerselvam um den Turniersieg. Aufgrund der schlechtesten (!) Feinwertung landete ich aber am Ende auf dem 5. Platz (geteilt 2.-5.).

Daher hier eine kleine Ausführung zu Feinwertungen im Schach: Da wir im Schach selten KO-Systeme spielen, kann es immer wieder vorkommen, dass Spieler am Ende des Turniers gleichviele Punkte haben. Dann stellt sich die Frage, wie man entscheidet, wer gewinnt. Dafür muss man eine sogenannte Feinwertung wählen, die auch vom Turnierformat abhängen sollte. Dabei gibt es folgende übliche Optionen:

1) Stichkampf 2) direkter Vergleich 3) Buchholz (Punkte der Gegner addiert) 4) Sonneborn-Berger (erzielte Punkte gegen Gegner multipliziert mit deren Punkten)

5) Gewinnpartien 6) Schwarzpartien


Ein Stichkampf und der direkte Vergleich verfolgen im Prinzip die gleiche Idee - ein Sieg gegen den direkten Konkurrenten sollte mit dem Turniersieg bedient werden. Stichkämpfe eigenen sich aus meiner Sicht vor allem für Rundenturniere, weil jeder die gleichen Gegner hatte und man daher "zusätzliche Infos" im Falle von Punktgleichheit braucht. Ich halte dies auch für die bessere Wahl als den direkten Vergleich, weil wenn eine Person den direkten Vergleich gewinnt, bedeutet das, dass man gegen den Rest des Feldes weniger Punkte geholt hat - das legt aus meiner Sicht zu viel Wert auf eine einzelne Partie. Auch Gewinnpartien und Schwarzpartien sind typische Feinwertungen für Rundenturniere. Die Hauptidee an der Feinwertung "Gewinnpartien" ist es, kämpferisches Schach zu ermutigen. Ich persönlich war nie ein Fan davon, denn wer mehr Partien gewinnt und trotzdem die gleiche Punktzahl wie ein zweiter Spieler hat, hat auch mehr Partien verloren. Das kann auch oft ein Zeichen für geringere Qualität sein. Dementsprechend würde ich immer 1) und 2) bevorzugen. In Open-Turnieren ergibt die Feinwertung "Gewinnpartien" aus meiner Sicht keinerlei Sinn, denn um ein Openturnier zu gewinnen, muss man ohnehin immer eine recht hohe Anzahl an Punkten erreichen und damit Partien gewinnen. Stattdessen belohnt man es, wenn jemand schlecht startet und dadurch die schwächeren Gegner bekommt, nur um am Ende des Turnieres zu punkten. Die Feinwertung "Schwarzpartien" soll denjenigen Spieler belohnen, der das "härtere" Turnier hatte, weil Schwarz natürlich immer ein kleiner Nachteil ist. Der Nachteil an dieser Feinwertung ist aus meiner Sicht, dass man keinerlei Einfluss auf die Auslosung hat und dementsprechend direkt mit einem Nachteil ins Turnier starten kann. Dementsprechend würde ich diese Feinwertung nur nutzen, wenn ein Stichkampf nicht möglich ist, der direkte Vergleich Remis endete und auch die Gewinnpartien gleich waren. Kommen wir nun zu den üblichen Feinwertungen für Open-Turniere - die Buchholzwertung und die Sonneborn-Berger-Wertung. Die Hauptidee dieser beiden Wertungen ist es denjenigen Spieler zu belohnen, der die besser spielenden Gegner hatte (wenn die Gegner mehr Punkte holen, dann waren sie in diesem Turnier stärker).

Natürlich ist auch dieses System nicht perfekt, denn häufig entscheiden die ersten Gegner darüber, wer am Ende die bessere Buchholz hat, und auf das Ergebnis dieser hat man keinerlei Einfluss - es ist purer Zufall. Allerdings wird es immer belohnt, wenn man selbst das ganze Turnier vorne gespielt hat und ein anderer Spieler schlecht ins Turnier startet und dementsprechend die schwächeren Gegner bekommt. Feinwertungen sind selbstverständlich nie perfekt, und man kann immer etwas zu meckern finden, allerdings denke ich, dass ich klarmachen konnte, warum einige Feinwertungen für Rundenturniere und andere für Openturniere besser geeignet sind.

In unserem Blitzturnier war die Feinwertung "Gewinnpartien" und so wurden sowohl Iniyan als auch ich am Ende des Turnieres noch überholt, obwohl wir das ganze Turnier vorne gespielt haben. Am Ende war es nur ein Blitzturnier und ist kein großes Drama, aber ich wollte schon lange einmal etwas über Feinwertungen schreiben und fand diesen Anlass passend, also verzeiht mir das Abschweifen vom Thema :-) PS: Für das Hauptturnier wurde die Feinwertung am Ende auf Buchholz geändert.

Am Tag nach dem Blitzturnier stand wieder eine Doppelrunde an und am Morgen spielte ich mit Schwarz gegen einen jungen Österreicher. Dieser spielte eine wirklich fantastische Partie:

Diagramm 1: Stellung nach 14. Sd2

Im letzten Zug brachte er den Springer von f3 nach d2 mit der Idee, den Springer später nach d6 zu bringen und ihn dort mit e5 zu festigen. Ich spielte: 14... De7 15. e5 Tfd8 16. Tac1 Sf8 17. Sc4 Ld5. Hier wollte ich gerne den Läufer gegen den Springer tauschen und im Anschluss den rückständigen d-Bauern ausnutzen. Allerdings unterschätzte ich die weiße Fortsetzung.





Diagramm 2: Stellung nach 17...Ld5

Mein Gegner ignorierte, dass der Bauer auf a2 hängt und spielte 18. Sd6!! Lxa2 19. Lf3 Ld5 20. Lxd5 exd5. Ursprünglich dachte ich, dass ich mit ...f6 gut das weiße Zentrum angreifen kann. Zudem bekommt mein Springer ein gutes Feld auf e6 und ich kann Gegenspiel mit meinem entfernten Freibauern bekommen. In der Partie ereilte mich allerdings eine kalte Dusche: 21. Tc6! verhindert, dass Schwarz jemals den a-Bauern zum Laufen bringen kann und nimmt Schwarz daher wichtiges Gegenspiel.

Diagramm 3: Stellung nach 21. Tc6

Die entstandene Stellung war objektiv schon kaum noch haltbar und weil mein Gegner stark weiterspielte, bekam ich auch keine Chance mehr. Natürlich ist es sehr ärgerlich, wenn man gegen einen Gegner mit 250 Elopunkten weniger verliert, aber wenn die Gegner so starke Partien spielen, dann hilft einem die Elo auch nicht :-). Am Ende ist wichtig, was auf dem Brett passiert und da war er an diesem Morgen einfach besser.

Am Nachmittag zeigte ich mich nicht zu gut erholt und konnte nur ein Remis mit den weißen Steinen holen. Zum Glück gelang mir wenigstens ein guter Abschluss und ich gewann die letzte Partie und konnte mit 4,5/7 am Ende sogar noch den 9. Preis gewinnen. Schachlich war das Turnier durchwachsen, der gute Abschluss stimmte mich aber optimistisch für das folgende Turnier in Schwäbisch Gmünd.

Zunächst feierten wir aber noch in Zürich Silvester und reisten am 1. Januar weiter.


Raclette in Zürich
















Am 2. Januar ging es dann auch schon weiter - beim Staufer Open in Schwäbisch Gmünd. Auch hier lief der erste Tag nicht gerade nach Plan. In Runde 1 opferte ich früh eine Qualität, meinem Gegner gelang es jedoch das Gleichgewicht dauerhaft aufrechtzuerhalten. In Runde 2 stellte ich dann im frühen Mittelspiel einen Bauern ein und konnte froh sein, dass ich ein Turmendspiel mit Minusbauern gehalten habe. Am nächsten Morgen startete ich zumindest besser in den Tag. Mit meiner neuen Lieblingswaffe gegen Sizilianisch - Alapin - konnte ich schnell Vorteil bekommen und gewann die Partie souverän. Anschließend folgte ein recht ereignisloses Schwarzremis. Am Morgen der 5. Runde überlegte ich lange hin und her, ob ich nochmal Alapin spielen sollte, denn die Partien der vorderen Bretter des Turniers wurden zeitnah veröffentlicht und so war klar, dass mein Gegner sich gut vorbereiten konnte. Ich entschied mich aber dennoch dafür und wurde belohnt:


Am Nachmittag saß mir dann IM Dietmar Kolbus gegenüber und es passierte etwas sehr überraschendes. In Zürich verlor ich eine Partie im Semi-Tarrasch in einer recht seltenen Variante und genau diese Variante kam aufs Brett! Da diese Partie aber nicht in der Datenbank ist, wunderte ich mich, ob dies Zufall war, oder ob mein Gegner(der selbst in Zürich spielte) sich so gut an meine Partie erinnern konnte. Nun hatte ich zumindest die Eröffnungen aus dem vorherigen Turnier überarbeitet und bekam dieses Mal auch problemlos eine komfortable Stellung - allerdings ist Partien gewinnen nicht leicht, wenn die Gegner keine echten Fehler machen...


Ich verpasste einige gute Möglichkeiten, meinen Gegner vor Probleme zu stellen und die Partie endete schließlich Remis. Am nächsten Tag widerstand ich der Versuchung, ein drittes Mal Alapin zu spielen und wählte dieses Mal Rossolimo. Auch hier lief die Eröffnung gut und nach einem Bauernopfer meines Gegners musste ich den Mehrbauern nur noch verwerten.

In Runde 8 ging es dann gegen Kateryna Dolzhykova. Leider verwechselte ich bereits in der Eröffnung meine Varianten und spielte auch anschließend nicht besonders gut. Mein Gegnerin nutzte dies mit schwungvollem Spiel aus und gewann eine wilde aber saubere Partie. In der letzten Runde ging es also vor allem darum, das Turnier positiv abzuschließen und mit guter Laune nach Hause zu fahren. Glücklicherweise schien mein Gegner auch geschafft vom anstrengenden Turnier und ich konnte bereits in Zug 20 eine ganze Figur gewinnen. So endete das Turnier für mich mit 6/9. Meine Weißpartien waren alle gut, aber mit Schwarz gelang es mir zu wenig, gegen schwächere Gegner Chancen zu kreieren. Daran muss ich arbeiten.

Wir blieben nach dem Turnier noch einen Tag in Schwäbisch Gmünd, um dort meinen Geburtstag zu feiern. Und immerhin gelang es mir den Turniersieger (8,5/9!!!) im Minigolf zu besiegen :-)


Nach langer Reise sind wir heute Nacht wieder zu Hause angekommen und nun steht die Vorbereitung für den Mitropa Cup an, der am 14.2. in Apolda startet. Ich wünsche euch ein gesundes Neues Jahr und bis bald, Josefine

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2 Comments


Hallo Josefine,

Du bist in Schach und erklären von Schach super, aber Deine Informatik-Kenntnisse begeistern mich auch! Der Blogartikel ist einfach klasse!

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Peter Ax
Peter Ax
Jan 09

danke für die turnierberichte und glückwunsch zum geburtstag

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